Die evangelisch-lutherische Pfarrkirche von Leupoldsgrün gehört zu den historisch gewachsenen Dorfkirchen des nördlichen Oberfrankens, deren heutige Gestalt das Ergebnis einer langen, von mittelalterlichen Ursprüngen über kriegsbedingte Zerstörungen bis hin zu frühneuzeitlichem Wiederaufbau reichenden Baugeschichte ist. Bereits im Spätmittelalter befand sich am Standort der heutigen Kirche ein sakraler Bau: Um die Zeit um 1440 stand hier eine Kapelle, in der Geistliche aus der benachbarten Pfarrei Selbitz Gottesdienste für die Bewohner des Dorfes hielten. Diese frühe Kapelle unterstand dem Patronat lokaler Adelsfamilien, insbesondere der Herren von Lüchau, und dokumentiert die typische kirchliche Abhängigkeit kleiner Siedlungen von regionalen Mutterpfarreien im spätmittelalterlichen Pfarrsystem.
Mit der Reformationszeit setzte ein entscheidender Wandel ein. Bereits in den 1520er Jahren erhielt Leupoldsgrün einen eigenen Pfarrer; als erster Amtsinhaber wird Nikolaus Rauh genannt, der zugleich als früher Träger der lutherischen Lehre im Ort gilt. Diese Entwicklung verdeutlicht die frühe Aufnahme der Reformation im Hofer Land und spiegelt die generelle konfessionelle Umgestaltung Oberfrankens im frühen 16. Jahrhundert wider. Dennoch blieb die organisatorische Verbindung zur Mutterpfarrei Selbitz noch bis ins 19. Jahrhundert bestehen, was die langsame institutionelle Verselbständigung vieler Landgemeinden im frühneuzeitlichen Kirchenwesen zeigt.
Die mittelalterliche Kapelle bestand offenbar bis in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Wie zahlreiche Kirchen des nordbayerischen Raums wurde auch sie von den kriegerischen Ereignissen schwer getroffen: Im Jahr 1632 geriet das Gebäude im Zuge von Brandschatzungen in Brand und wurde zerstört. Erst nach einer Phase wirtschaftlicher und demographischer Erholung konnte der Wiederaufbau beginnen. Die Baugeschichte dieses Wiederaufbaus lässt sich bemerkenswert präzise an datierten Bauteilen ablesen: Jahreszahlen an Emporenkonstruktionen verweisen auf Bau- und Ausstattungsmaßnahmen in den Jahren 1659, 1661, 1698 und 1699, wodurch sich eine mehrphasige Rekonstruktionsgeschichte des 17. Jahrhunderts erschließt.
Architektonisch präsentiert sich die heutige Kirche als frühneuzeitlicher Saalbau mit klarer regionaltypischer Formensprache.
Charakteristisch ist insbesondere der barocke Zwiebelturm, der als markantes Wahrzeichen das Ortsbild prägt und zugleich ein verbreitetes Motiv oberfränkischer Kirchenarchitektur darstellt. Der Innenraum gliedert sich in ein langgestrecktes Langhaus mit flacher Kassettendecke und einen anschließenden überwölbten Chorraum, in dem der Altar aufgestellt ist. Diese Kombination aus schlichtem Saalraum und hervorgehobenem Chor entspricht der liturgischen Raumkonzeption protestantischer Kirchenbauten des 17. Jahrhunderts, die stärker auf Predigt- und Gemeindefunktion als auf monumentale Raumwirkung ausgerichtet waren.
Die Ausstattung der Kirche weist ebenfalls deutliche Spuren der frühen Neuzeit auf. Um das Jahr 1700 schuf der Hofer Bildhauer Johann Nikolaus Knoll mehrere Werke für die Kirche, darunter einen Taufengel und ein Holzkruzifix, die typische Elemente der protestantischen Barockfrömmigkeit darstellen, wenngleich der Taufengel heute nicht mehr erhalten ist. Solche Figuren verbanden liturgische Funktion mit repräsentativer Bildsprache und verdeutlichen den Einfluss regionaler Kunstzentren auf die Ausstattung ländlicher Kirchen.
Die bauliche Entwicklung der Kirche steht zugleich in engem Zusammenhang mit der Siedlungs- und Kirchengeschichte des Dorfes selbst. Ausgehend von einer kleinen Kapelle entwickelte sich Leupoldsgrün im Laufe der frühen Neuzeit zu einer eigenständigen Pfarrgemeinde mit kontinuierlicher kirchlicher Verwaltungstradition, was sich auch in archivalischen Überlieferungen einer Kirchenstiftung seit dem späten 17. Jahrhundert widerspiegelt.
In ihrer heutigen Erscheinung verkörpert die Pfarrkirche Leupoldsgrün somit ein typisches Beispiel einer oberfränkischen Dorfkirche, deren Architektur von der Wechselwirkung zwischen mittelalterlichem Ursprung, kriegsbedingten Zerstörungen und frühneuzeitlichem Wiederaufbau geprägt ist. Der barocke Turm, der schlichte Saalraum und die aus dem 17. und frühen 18. Jahrhundert stammenden Ausstattungselemente bilden zusammen ein historisch gewachsenes Ensemble, das sowohl die konfessionellen Umbrüche der Reformationszeit als auch die Wiederaufbauleistungen nach dem Dreißigjährigen Krieg sichtbar macht.